Online-Dating oder doch lieber im echten Leben?

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Heutzutage ist Dating zugänglicher denn je. Oft reichen nur wenige Klicks, und schon ist ein Profil auf einer Dating-Plattform wie Tinder, Bumble oder Hinge erstellt. Doch macht die einfache Partnersuche über das Smartphone das klassische Kennenlernen in Person langsam überflüssig?

 

Viele Menschen, mit denen ich über Online-Dating gesprochen habe, haben unterschiedliche Erfahrungen und Meinungen dazu. Einige empfinden die Partnersuche im Internet als oberflächlich und verbinden Dating-Apps eher mit unverbindlichen oder sexuellen Kontakten. Andere haben über eine solche Plattform ihren Partner oder ihre Partnerin kennengelernt und würden Online-Dating jederzeit weiterempfehlen.


Auch ich habe bereits einige Erfahrungen mit der virtuellen Partnersuche gemacht. Die Dates, die ich bisher hatte, waren immer spannend und sorgten für abwechslungsreiche Abende. Trotzdem hat sich bisher keine längerfristige Beziehung daraus entwickelt. Vor allem vor dem ersten persönlichen Treffen war ich oft immer nervös, da man beim Online-Dating nie genau weiss, ob die Person in Wirklichkeit auch so aussieht wie auf den Fotos.

 

Doch welche Möglichkeiten gibt es abseits des Smartphones?

 

Ein Abend ohne Swipen

Ich war neugierig und habe deshalb ein noch eher unbekanntes Konzept des Datings ausprobiert. Auf Instagram bin ich auf eine Veranstaltung in Straßburg gestoßen, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen zusammenzubringen. Das Event heißt „Noué“, ein französisches Wort, das so viel wie „gebunden“ oder „verknotet“ bedeutet.

 

Das Prinzip ist einfach: Ein Bändchen zeigt den Teilnehmenden, mit welcher Intention sie an diesem Abend teilnehmen möchten. Wer auf der Suche nach einer romantischen Beziehung ist, trägt ein rotes Bändchen. Wer neue Freundschaften knüpfen möchte, entscheidet sich für Weiß. Es ist auch möglich, beide Farben zu tragen. Darüber hinaus gibt es weitere Kategorien: Blau steht beispielsweise für Nicht-Monogamie, Gelb für die Suche nach einem One-Night-Stand.

 

Meine Erfahrung auf der Veranstaltung war größtenteils positiv. Während des Abends kommt man mit vielen unterschiedlichen Menschen ins Gespräch. Von ungefähr fünfzig Teilnehmenden konnte ich mit etwa fünfzehn Personen ausführlicher sprechen. Gerade das hat mir gefallen: Statt durch unzählige Profile zu wischen, hatte ich die Möglichkeit, Menschen direkt kennenzulernen.

 

Auch die Veranstalter hatten sich etwas einfallen lassen, um die Gespräche anzuregen. Jeder Teilnehmer bekam einen kleinen Zettel und sollte darauf eine persönliche oder witzige Anekdote über sich schreiben. Anschließend wurden alle Zettel in eine Box gelegt. Jeder zog eine Anekdote und bekam die Aufgabe, deren Autor oder Autorin zu finden.

 

Plötzlich gingen zahlreiche Menschen von Tisch zu Tisch und versuchten herauszufinden, wer hinter den Geschichten steckte. Dadurch konnte jeder sich mit dem anderen über seine persönliche Anekdote austauschen. Ein Mann berichtete mir beispielsweise, dass er als kleiner Junge mit seinem Vater auf Geschäftsreise in London gewesen sei und dort im selben Raum wie Nelson Mandela gesessen habe. Eine andere Frau erzählte mir, dass sie einmal einen Rucksack voller Schmuck und Bargeld im Wert von 50.000 Euro gefunden und anschließend die Polizei gerufen hatte.

 

Das sind nur zwei der Geschichten, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind. Vor allem aber haben sie gezeigt, wie leicht sich über eine ungewöhnliche Geschichte ein Gespräch beginnen lässt.

 

Kann Offline-Dating überzeugen?

Mein Erlebnis bei Noué hat mich deshalb wieder zu meiner ursprünglichen Frage zurückgebracht: Kann eine solche Veranstaltung helfen, Mr oder Mrs Right zu finden?


Einen entscheidenden Nachteil bemerkte ich bereits an diesem Abend, das Alter der Teilnehmenden. Die meisten waren zwischen 30 und 50 Jahre alt. Viele standen bereits mitten im Berufsleben und hatten teilweise schon Kinder. Als 23-jährige Studentin fühlte ich mich deshalb stellenweise etwas außen vor. Bei einer Dating-App hätte ich dieses Problem durch entsprechende Altersfilter vermeiden können. Gleichzeitig ist genau das auch eine der Stärken von Online-Dating: Die Auswahl ist wesentlich größer und lässt sich gezielter auf die eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse abstimmen.


Auch die überwiegend heterosexuelle Ausrichtung der Veranstaltung ist mir aufgefallen. Zwar gab es verschiedene Bändchen für unterschiedliche Beziehungsformen, eine sichtbare Vielfalt an sexuellen Orientierungen habe ich an diesem Abend jedoch kaum wahrgenommen. Für queere Menschen könnte ein solches Konzept deshalb möglicherweise weniger geeignet sein, wenn nicht bewusst darauf geachtet wird, verschiedene Zielgruppen anzusprechen.


Trotz dieser Einschränkungen würde ich eine solche Veranstaltung jedem weiter empfehlen, der Lust hat, neue Menschen auf eine andere Art kennenzulernen. Für mich persönlich hat Noué einen angenehmen und sicheren Rahmen geschaffen, in dem ich mich zu keiner Zeit unwohl gefühlt habe. Ganz im Gegenteil: Ich konnte neue Bekanntschaften knüpfen und sowohl mit Männern als auch mit Frauen interessante Gespräche führen.


Noué wird Dating-Apps vermutlich nicht ersetzen. Dafür bieten Plattformen wie Tinder, Bumble oder Hinge zu viele Möglichkeiten, die eigene Suche individuell anzupassen. Eine solche Veranstaltung kann jedoch eine interessante Ergänzung sein, vor allem für diejenigen, die keine Lust mehr auf Swipen, Matchen und Schreiben haben, sondern wieder direkt miteinander ins Gespräch kommen möchten.


Am Ende bin ich jedenfalls nicht mit meinem „Perfect Match“ nach Hause gegangen. Dafür aber mit einigen neuen Bekanntschaften, spannenden Geschichten und der Erkenntnis, dass es manchmal gut tut, die eigene Komfortzone zu verlassen.